Fotos und Berichte 2016


Trainingstag mit Dr. Gerd Heuschmann - 15.07.2016

Bericht von Sabrina Richter, Juli 2016


Trainingstag Nr. 2 mit Dr. Gerd Heuschmann

 

Ich hatte die Ehre am Trainingstag von Gerd Heuschmann teilzunehmen. Gerd unterrichtet auf der ganzen Welt und hat ein enormes Wissen,

nicht nur über die Anatomie des Pferdes. Wahrscheinlich gibt es zurzeit

niemanden, der so viele „Pferderücken ertastet“ und „Pferdemäuler angefasst“ hat, wie er. Auf die Frage, warum er in unseren kleinen Verein kommt, wo er doch auch grosse Talente unterrichten kann, sagt er: „Glaubt ihr, dass der Haflinger von nebenan weniger Schmerzen erleidet, als ein teures Dressur-Pferd?“ Das hat mich beeindruckt.

 

Vor jeder Lektion bin ich wieder nervös. Gerds Tipp: „Alle Zuschauer sind nackt“ und mit ironischem Grinsen: „Die besten Reiter sitzen sowieso immer als Zuschauer auf der Bank“ Er schwärmt, wie viel Respekt die jungen USA-Springtalente vor George Morris haben. Er hält gemeinsame Seminare mit ihm und ich bin überrascht, aber ich habe den starken Verdacht, dass auch Gerd beim ersten Seminar mit George Morris nervös wurde. Das war bereits meine dritte Lektion und ja: ich habe grossen Respekt vor Gerd Heuschmann. Meinen Sattel habe ich am Tag vorher noch geputzt, denn letztes Mal sagte er ruhig und bestimmt nach meiner Lektion: „Du reitest doch das Pferd? Putz mal den Sattel!“ Als ich ihm das jetzt sage, freut er sich und erklärt mir, dass er meinen Sattel mag und es schade findet, wenn er so schlecht gepflegt wird. Dasselbe gilt wohl für die Pferde.

 

Es ist schade, dass so mancher Freizeitreiter gar nicht daran denkt, an einem Training bei Gerd Heuschmann teilzunehmen. Dabei sind es gerade

die motivierten Freizeitreiter, die ihr Wissen über der klassischen Reitlehre

zum Wohle ihres Pferdes erweitern möchten, die Gerd auf seinen Seminaren schätzt. Unermüdlich predigt er Leitsätze und ist bei jedem Teilnehmer immer wieder mit Herzblut dabei. Der Freizeitreiter denkt womöglich sogar, er würde sich während der Lektion dem Löwen zum Frasse vorwerfen, mit den Zuschauern als Zeugen. So erging es zumindest mir vor meiner ersten Lektion. Kurz vorm Aufsteigen sagte

noch jemand zu mir: „Du reitest? Sehr mutig.“ und mein Herz rutschte in den Kehlkopf. Ganz anders erlebe ich den Tag meiner dritten Lektion. Statt Löwenfrass-Atmosphäre strahlen selbst die Zuschauer wohlwollende Gemütlichkeit aus. Gemeinsam wird über die passende Bügellänge diskutiert, doch hauptsächlich geht es um die Anatomie des Pferdes und vor allem des Pferdes unter einem Reiter. Womöglich denkt man auch, dass sein heiss geliebtes Pferd nicht den richtigen Stammbaum hat und Gerd nur Hannoveraner, Oldenburger, Trakehner & Co mag. Weit gefehlt: während meiner Lektion kam er aus dem Schwärmen für Freiberger kaum

noch heraus.

 

Ich will hier gar nicht die vielen Leitsätze wiederholen, die sich immer mehr in meinen Kopf einbrennen. Es geht dabei um Baby-Popos, Bauchnabeln und schüttelnde Champagnergläser, um Baumstämme und tief hängende Äste - und auch immer wieder um die weisen „alten Meister“, die Gerd so schön zitiert. Zum Teil und auf Wunsch bereitet er während der Lektion die Pferde der Teilnehmer, um dem Teilnehmer die Gelegenheit zu bieten, einen schwingenden Rücken zu fühlen.

 

Neugierig? Im nächsten Jahr geht es weiter mit den Trainingstagen. Zuschauer sind willkommen und auch die Mutigen unter den Freizeitreitern, die sich für die klassische Reitlehre interessieren, kommen am besten mit Pferd und profitieren umso mehr!

 

Sabrina Richter

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