Fotos und Berichte 2016


Vereinsausflug zum Pferdekrematorium

Bericht von Bettina Hintermann, Februar 2016


Vereinsauflug zum einzigen Pferdekrematorium in der Schweiz

 

Welcher Tierbesitzer kennt es nicht, dieses wunderbare Gefühl wenn ein Tier im „eigenen Herzen einzieht“ und einen festen Platz im Leben, im Tagesablauf, einnimmt. Man ist voller Euphorie und hat so gewisse

Vorstellungen und teilweise auch Ziele, je nach Art/Gattung des Tieres was man gemeinsam erreichen will – sei es zum Beispiel mit einem ordentlich erzogenen Hund ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen zu unternehmen oder mit einem Pferd als Sport- und Freizeitpartner ein gewisses Ausbildungsniveau zu erreichen. Oder einfach nur die Momente geniessen zu können, in denen man sein

Tier beobachtet und selbst gedanklich dem oft stressigen Alltag entfliehen kann.

 

Diese Vorstellungen und die unendliche Freude über das neue

„Familienmitglied“ dominieren bei der Anschaffungen eines Tieres. Doch im

selben Moment kann und sollte man sich bereits mit dem Gedanken befassen, was wenn das Tier aus diesem irdischen Leben scheiden sollte, altershalber oder eventuell auch früher als erwartet und vielleicht auch unverhofft – was geschieht mit dem toten Körper des geliebten vierbeinigen Freundes? Diese Facette des Lebens als Tierbesitzer verdrängen wir gerne und oft auch sehr erfolgreich. Doch auch dieser letzte Entscheid obliegt uns als verantwortungsvoller Tierbesitzer.

 

Und genau mit dieser Seite befasste sich unser Vereinsausflug vom letzten Samstag 27.02.2016 und führte uns ins Tierkrematorium Kirchberg, wo auch das einzige Pferdekrematorium der Schweiz steht.

 

Wir trafen uns bei herrlichem Winterwetter um 14:00 beim Parkplatz Aarau West und machten uns gemeinsam auf den Weg nach Kirchberg. Rund eine Stunde später wurden wir von Brigitte Hartmann Imgrüt und ihrem Mann, Peter Imgrüt, herzlich empfangen. Nach einer kurzen Begrüssung konnte die Führung beginnen.

 

Als Erstes wurden wir an ein einladendes, ja schon fast lauschiges Plätzchen ausserhalb des Gebäudes geführt, es war liebevoll

dekoriert und auch mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet. Brigitte erklärte uns, dass sich unter uns der Aschetank befindet, wo die Sammelkremationen beigesetzt werden und da ihre letzte Ruhe finden. Unter den teilnehmenden Personen wurde es merklich stiller.

 

Anschliessend begaben wir uns ins Innere des Gebäudes. Der Rundgang begann in der Empfangshalle – das restaurierte Karussell-Pferd vermochte einem gedanklich abzulenken. Es herrschte eine angenehme aber doch sehr spezielle Atmosphäre, standen doch wohl die meisten von uns das erste Mal im Leben an einem solchen Ort – mit gemischten Gefühlen, man wusste nicht so recht was einem nun in der folgenden 45 Minuten erwartet. Brigitte führte uns weiter in ein sehr sorgfältig hergerichtetes Besprechungszimmer wo unter anderem Urnenmodelle in diversen Grössen, Formen und Farben ausgestellt waren, es erinnerte mich sehr an einen früheren Termin bei einem Bestattungsinstitut für Menschen. Ging man eine Tür weiter, kam man in ein kleines Zimmer wo

Kleintierbesitzer von ihren tierischen Weggefährten nochmals in aller Ruhe Abschied nehmen können, sofern sie das wünschen.

 

Ein Raum weiter wurde es technisch, wir befanden uns bereits in der Halle mit den Öfen. Für die Kleintiere stehen zwei Öfen zur Verfügung, einen für Einzelkremationen und einen zweiten für Sammelkremationen. Sämtliche

Öfen werden mit Gas betrieben und benötigen eine Betriebstemperatur von mind. 850 Grad Celsius. Die Dauer des Kremationsvorgangs ist abhängig von Gewicht des Tieres. Am Schluss bleibt die Asche übrig, welche nach dem Abkühlen noch gemahlen wird, bevor sie dann in das vom Besitzer ausgewählte Behältnis eingefüllt werden kann. Der gesamte Kremationsvorgang wird per Computer gesteuert und auch entsprechend überwacht. Des weiteren müssen Luftreinhalteverordnungen eingehalten und die Werte regelmässigen Prüfungen unterzogen werden.

 

Am Schluss der grossen Halle stand der Ofen für die Pferde. Er ist für Pferde bis max. 1‘000 kg geeignet. Uns wurde genau erklärt wie so ein

Vorgang abläuft. Angefangen beim Transport, wo Dienstleistungen des NPZ Bern in Anspruch genommen werden können und unter Aufsicht von Tierarzt Dr. B. Wampfler durgeführt werden, sofern der eigene Tierarzt/Klinik keine entsprechende Transportmöglichkeit hat, bis zum Punkt wo die Pferde mittels Kran auf den Wagen des Ofens gehievt werden. Auf Grund der benötigten Zeit für eine Pferdekremation, die rund 8 Stunden dauert und weitere 8 Stunden zum Abkühlen in Anspruch nimmt, kann pro Tag ein Pferd kremiert werden. Die Asche eines Warmblüters weist nach der Kremation ein Gewicht zwischen 25- ca. 30 kg auf.

 

Bei der Vorstellung wie wohl das eigene Pferd hier liegen könnte, schossen dem einen oder anderen Teilnehmer Tränen in die Augen. Wir waren beeindruckt von dem Gehörten und Gesehenen und wir konnten zu unseren eigenen individuellen gedanklichen Vorstellungen einen Bezug schaffen. Ein gerne verdrängtes Thema bekam einen Inhalt, man kann sich unter dem Vorgang „Kremation“ nun was vorstellen.

 

Wir durften hiermit eine Art und Weise kennenlernen wie wir unsere geliebten tierischen Weggefährten mit Würde über die Regenbogenbrücke endgültig entlassen können und haben mit der Möglichkeit einer Kremation die Gewissheit, dass wir bis zuletzt Einfluss nehmen können auf das was mit dem toten Körper unseres Tieres geschieht. Mit dem Stellenwert des Tieres in unserem Leben und in unserer Gesellschaft gewinnen dieser Umstand und auch diese Sicherheit für immer mehr Menschen an enormer Bedeutung.

 

Im Anschluss an die Führung konnten wir bei einem reichhaltigen Apéro die neu gewonnen Eindrücke „verdauen“ und Antworten auf die letzten offenen Fragen bekommen.

 

Den Abend liessen wir bei einem gemütlichen Nachtessen und einem guten Glas Wein im Restaurant Bären in Holziken ausklingen.

 

Liebe Brigitte, Lieber Peter

Nochmals vielen herzlichen Dank für den netten Empfang, für die Führung durch Euer Tier- und Pferdekrematorium Kirchberg und die vielen interessanten und aufschlussreichen Informationen. Mit Eurer Arbeit versucht ihr Tag für Tag den Tierbesitzern mit grossem Einfühlungsvermögen einen erträglichen Abschied zu ermöglich, davor haben wir sehr grossen Respekt.

 

Bettina Hintermann

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