Fotos und Berichte 2015


Dressur- und Working Equitation Kurs

Bericht von Jenny Markov - Vizepräsidentin ARSETS


Dressur und Working Equitation Kurs - 25.10.2015

 

Working Equitation – der neue Spass an der Vielseitigkeit!

 

Working Equitation bringt frischen Wind in die alten Traditionen der Arbeitsreitweisen. Der Reiter demonstriert in vier Teilprüfungen mit Stil und Eleganz die Eignung seines Pferdes für die Arbeit der südeuropäischen Rinderhirten. Seit letztem Jahr gibt es die junge Disziplin auch in der Schweiz.

 

Auf der iberischen Halbinsel, in der Camargue und in der Maremma gibt es die alte Tradition der Rinderhirten zu Pferde. Diese südeuropäischen Arbeitsreitweisen sind kulturell und folkloristisch tief verwurzelt und viel mehr als nur ein Mittel zum Zweck. Sie bilden die Wiege aller Arbeits-reitweisen vom Cowboy bis zum Gaucho. Doch wie alle alten Traditionen wird auch die Arbeitsreitweise Europas durch die Moderne langsam in den Hintergrund gedrängt. Zum Zusammentreiben der Rinder gibt es Quads – oder man lässt die Tiere gar nicht erst raus auf die grüne Wiese. Und wer reitet und etwas ehrgeiziger ist, der holt sich die Lorbeeren im Sport, nicht mehr im harten Arbeitsalltag. So kam es, dass 1996 Reiter aus Spanien, Frankreich und Italien den ersten Wettkampf lancierten, in dem sich die Reiter als Nationenteam in der jeweiligen Tradition und Reitweise ihres Landes im sportlichen Wettbewerb messen konnten. Das Ziel ist, den traditionellen Reitweisen neuen Aufschwung zu geben und sie zu erhalten. Diese Europameisterschaften der Arbeitsreitweisen wuchsen nach und nach, Portugal folgte 1997 und weitere Europäische Länder kamen später dazu. Insbesondere die Freunde und Fans der Lusitanos verbreiteten den Sport bis nach Mexico, Brasilien und weitere Südamerikanische Länder und auch in Australien gibt es bereits Wettkämpfe. So folgte denn 2002 die erste Weltmeisterschaft. Und man darf gespannt sein, ab wann die osteuropäischen Hirtenvölker wie beispielsweise Ungarn ebenfalls mitmischen werden.

 

Wer sich nun aber waghalsige Gesellen und wilde Ritte vorstellt, der liegt falsch. Wie jeder Wettkampf ist auch Working Equitation eine Disziplin, die ihren Ursprung stilisiert. Die Dressurprüfungen verlangen hohe Lektionen, die ein durchlässiges und rittiges Pferd mit solider Ausbildung erfordern. Es soll Eleganz, Leichtigkeit und viel Impulsion mit unsichtbaren Hilfen gezeigt werden. Und auf genau dieser Basis geht es in die zweite Teilprüfung, den Arbeitsparcours. Das internationale Reglement beschreibt 18 Hindernisse, welche im Schritt oder im Galopp absolviert werden. Typische Geländeaufgaben wie Brücke, Tor, Sprung oder Rückwärtsrichten sind kombiniert mit Aufgaben des Reiters wie das Aufnehmen eines Rings mit der Garrocha oder dem Läuten einer Glocke. Dazu kommen Slalomaufgaben mit Galoppwechseln und enge Wendungen. Der Richter achtet dabei auf die Symmetrie und den Fluss der Figuren sowie auf die willige Mitarbeit und die Versammlung des Pferdes. Es gibt Noten zwischen 0 und 10 pro Hindernis wie in der Dressurprüfung und die Darbietung soll ebenso leicht und elegant aussehen. Aber ein Arbeitspferd muss natürlich nicht nur gehorsam und brav sein sondern auch schnell und mutig. Die dritte Teilprüfung ist daher

ein Geschwindigkeitsparcours auf Zeit. Dieselben Hindernisse wie im Arbeitsparcours mit Speed und Vernunft zu reiten ist gar nicht so einfach. Jeder Fehler ergibt Strafsekunden und disqualifiziert ist man schnell, aber die Stoppuhr läuft – eine spannende Prüfung auch für die Zuschauer. In der vierten Teilprüfung geht es an die Rinder. Es soll eines von der Herde abgetrennt und in einen Pferch gebracht werden. Dafür sucht sich der Reiter ein Team von drei Helfern, denn Rinderarbeit ist immer Teamarbeit. Auch diese Prüfung ist beim Publikum sehr beliebt. Gesamtsieger des Turniers wird das Pferd/Reiter-Paar, welches sich in allen vier Teilprüfungen die meisten Punkte erritten hat.

Working Equitation ist eine gute Abwechslung für alle Sport- und Freizeitpferde. Wem Dressur und Western Performance alleine zu langweilig sind, aber Springen und Gymkhana zu wenig an der Reitkunst orientiert, der ist bei der Working Equitation genau richtig. Die Liebhaber der Cowboy Dressage sind genauso willkommen wie die Barock- oder Springreiter. Wer seinem Dressurpferd mal etwas anderes als Buchstaben auf dem Platz zeigen möchte, ist bei uns ebenso gut aufgehoben wie

der TREC-Reiter, der seine Dressurambitionen ausleben möchte. Die vier Teilprüfungen der Working Equitation vereinen Abwechslung, Spass und Präzision in einer Disziplin.

 

Dr. med. vet. Jenny Markov, Vizepräsidentin ARSETS

 

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