Fotos und Berichte 2015


Charity Day 2015

Bericht von Sabrina Richter, Juni 2015


Eine Zeitspende für die Stiftung Tiere in Not "Stinah"

 

Wir spenden Zeit. Mit 13 Personen startet das „Pferd im Mittelpunkt“-Team in einen wunderbaren Tag. „Stinah“ die Stiftung für Tiere in Not zieht uns von der ersten Minute in ihren Bann. Das Herzblut von Claudia Steiger und Christof Zimmerli pulsiert an diesem Ort, es steckt an und ich möchte am liebsten gleich loslegen.

 

Doch zuerst bekommen wir eine Führung über das Anwesen. Hier leben ca. 50 Pferde in einem tollen Offenstall. Die Wege führen um und durch die verschiedenen Gebäude und Pferd findet alles, was sein Herz begehrt. Unsere kleine Gruppe schlendert durch die kleinen Gruppen der Pferde. Jedes hat eine Geschichte, so manche ist dramatisch, manche ist unendlich traurig und manche unvorstellbar. "Hier schämt man sich ein Mensch zu sein", höre ich. Ungläubige Blicke treffen sich.


Godal kam 2012 fast verhungert hier an, sieht man das Bild von damals auf der Internetseite der Stiftung, glaubt man hier nicht auf dasselbe Pferd zu treffen. Schnell lernen wir die kleine Chefin kennen. Das Pony wurde in einer Kindertagesstätte von den Kleinen geplagt und schliesslich wegen Fehlverhalten zum Schlachter gebracht. Pferde, die an Kopf und an den Beinen in der Box gefesselt wurden, um sie "einzureiten" (?!). Das Nasenbein über das man heute streicht ist noch immer ganz zerdrückt. Eisenstangen, die Hüftgelenke zerschlagen? Aber auch ein wunderschöner Wallach mit einem kleinen Handicap: ihm musste ein Auge entfernt werden und das wurde als „nicht so schön“ empfunden“. Ausgediente Sportgeräte werden zur Schlachtung freigegeben. Hier treffen wöchentlich Hilferufe vor Schlachtungen ein. In- und ausländische Tierschutzorganisationen und auch Privatpersonen suchen Hilfe. Die Stiftung setzt sich nicht nur für den individuellen Tierschutz ein, sondern auch der institutionelle Tierschutz ist hier Thema.

 

Wir starten die Arbeiten. Gras mähen, Wiesen abbollen, Disteln ausstechen und alle Pferde werden vom „Pferd im Mittelpunkt“-Team geputzt und verwöhnt. Vor der Mittagspause wird das gemähte Gras an viele Stellen im Stall verteilt und dann machen auch wir uns über das wunderbare Buffet her. Jeder hat etwas mitgebracht - alles vegetarisch, denn die Art wie unsere Gesellschaft Nutztiere hält, wird hier nicht akzeptiert. Es gibt hier aber nicht nur Pferde. Hier leben auch Katzen und Hunde, aber auch Schweine, als süsse Resteverwerter und Hühner, die im Boden scharren, Sandbäder nehmen können und mehr als einen Quadratmeter Platz haben. Auch Schafe grasen friedlich auf ihrer Wiese. Die Stiftungs-Kühe leben nicht hier, sondern im Jura ganzjährig auf grossen Weiden.

 

Die Stiftung Stinah wurde 2002 gegründet. Claudia engagiert sich schon sehr lange für den Tierschutz. Sie stellte mit der Zeit fest, dass es sehr viele Einrichtungen für Kleintiere in Not gibt, jedoch kaum Hilfe für Gross- und Nutztiere. Leider mussten sie und Christof in den letzten fast 15 Jahren feststellen, dass auch das Interesse an diesen Tieren nicht so gross ist. Den Hof stellen die beiden den Stiftungstieren unentgeltlich zur Verfügung. Die laufenden Kosten können nur zu rund 20% über Spendengelder finanziert werden. Den Rest tragen die beiden. Stinah hilft im Individualtierschutz zunächst bei der Vermittlung der in Not geratenen Tiere. Nicht vermittelbare Tiere werden (wenn das Geld vorhanden ist, um ihnen zumindest ein Jahr lang das Leben zu garantieren) Stiftungstiere und bleiben für immer unter dem Protektorat der Stiftung. Was mir nicht bewusst war: wird ein Tier misshandelt und deshalb definitiv beschlagnahmt, so wird es geschlachtet, wenn sich innert nützlicher Frist kein Käufer findet. Die beiden Stiftungsgründer arbeiten mit einem 100% Pensum als Anwältin und als Steuerjurist und versorgen nebenbei all die Tiere. Ihr Tag beginnt um 4 Uhr in der Woche und um 6 Uhr an den Wochenenden. Es gibt nur einen festen Mitarbeiter und immer mal wieder Praktikanten. Verbindliche Hilfe ist schwer zu finden.

 

Der Tag war wunderbar und viele Helfer fragen jetzt schon nach einem nächsten Mal. Nachdenklich, zerkratzt von Disteln, aber glücklich gehe ich nach Haus. Ich bin froh, dass ich heute genau an diesem Ort war! Ja, ich hätte auch zu Hause viel zu tun gehabt. Meine Wiese müsste auch gepflegt werden. Aber das kann ich genau so gut morgen machen. Ich brauche nur nochmal diese zwei Menschen zwischen all ihren Tieren anschauen und weiss: Jeder kann über sich hinauswachsen.

 

Wer spenden oder Patenschaften übernehmen möchte findet alle Informationen unter: www.stinah.ch

 

Sabrina 

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