Fotos und Berichte 2014


Alexandertechnik und Reiten

Bericht von Bettina Hintermann, Oktober 2014


Alexandertechnik und Reiten - "Leibessprache"

 

Am Samstag 11.10.2014 um 9 Uhr fand sich eine kleine familiäre Gruppe Interessierter im Kurszentrum Sattelfest in Seon für ein zweitätiges Seminar über die Alexandertechnik und Reiten ein. Es goss wie aus Kübeln, so was nennt man auch Idealwetter um den Tag drinnen zu verbringen.

 

Wie jeder Kurs mit einer überschaubaren Teilnehmerzahl begann auch dieser mit einer Vorstellungsrunde. Wohl  Jede und Jeder begann sich sein Sätzchen zurecht zu legen. Diese Energie hätte man sich sparen können. Susan Frehner, unsere Kursleiterin, begann mit einer kurzen Einleitung danach startet die Vorstellungsrunde indem wir uns gegenseitig Fragen stellten. Interessant, wie schnell einem intelligente Fragen ausgehen können. Stille – Innehalten, und alle waren irgendwie erlöst, als diese Runde durch Susan (endlich) abgebrochen wurde.

 

Es folgte Theorie gepaart mit Übungen. Wie kopflastig ein Mensch nur sein kann. Was eignet man sich so in all den Jahren an Bewegungsmustern an, die eigentlich von der Natur gar nicht so gedacht sind. Es wird einem bewusst, vieles wurde einem anerzogen und das nicht unbedingt zum eigenen Nutzen. Daraus wurden Gewohnheiten. Wir erlebten unsere fehlerhafte Sinneswahrnehmung und uns wurde bewusst wie mächtig diese sind, man fällt ungewollt immer wieder in die „alten unnatürlichen“ Muster zurück. Wir bekamen "Werkzeuge" und Anleitungen zum Spüren und Fühlen unseres Körpers, unserer Bewegungen, unseres Raumes in alle Richtungen.

 

Unsere vierbeinigen Mitstreiter wurden dann in einem zweiten Teil miteingebunden. Wir machten zuerst Führübungen, versuchten das einfache Nichtstun auf unsere Pferde zu übertragen. Bei diesen Versuchen des Nichtstuns entpuppte sich die Umsetzung dieses simplen Wortes  "Nichtstun" als sehr anstrengend und konzentrationsintensiv. Auch wurden wir angewiesen bewusst einen Punkt in unseren Handlungen/Gedanken zu setzen. Nur, wie macht man das? Unser Hirn ist oft geradezu darauf gedrillt zu denken und zu handeln, oft auch zu kontrollieren und da kann das geschehen lassen zu einer ziemlichen Herausforderung werden;  denn 1 + 1 = 2, nur was ist dazwischen - für viele das grosse Unbekannte, exakt das, was man mit Hilfe der Alexandertechnik vielleicht irgendwann ergründen kann. Die Leichtigkeit, das Wachsen des Körpers von Mensch und Tier.

 

Selbstverständlich kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Während der Mittagspause wurde bei Pizza und Kebab rege diskutiert und Gedanken ausgetauscht. Gestärkt starteten wir in den zweiten Teil dieses ersten Tages. Es folgten erneut Übungen mit und ohne Pferd. Unter Susans Anleitung versuchten wir das am Vormittag erfühlte nochmals umzusetzen.  Im Anschluss folgte ein Resümee des ersten Tages und wir machten uns Gedanken zur Gestaltung des Sonntagvormittags.

 

Um die Motivation der Teilnehmer/Innen musste man sich an diesem Sonntagmorgen definitiv keine Sorgen machen. Ausgeruht und darauf hoffend, dass wir den Anschluss an das Gefühlte des Vortages gleich wieder finden, scharten wir uns um die Kaffeemaschine und starteten mit Heissgetränk und Gipfeli in den neuen Tag. Darauf folgte nochmals eine Repetition der Theorie im Schnelldurchlauf, bevor wir unsere Pferde wieder miteinbezogen, ganz getreu der Workshop-Ausschreibung „Alexandertechnik und Reiten“. Wir kamen in den Genuss von Einzellektionen. Susan verstand es hervorragend jeden Einzelnen individuell bei seinen „Blockaden“ abzuholen und entsprechend anzuleiten. Dem geneigten Zuschauer eröffneten sich durch das Beobachten interessante neue Zusammenhänge. Um die Mittagszeit neigte sich dieser sehr intensive Workshop dem Ende entgegen. Wir liessen diesen Vormittag Revue passieren.

 

Das Loslassen ins Dasein, die Erkenntnis, dass das Dasein da ist, all das mag sich für jeden /jede  Teilnehmer/In anders anfühlen. Aber das Fazit war doch sehr einstimmig: Es war interessant und mental sehr anstrengend, es forderte Bereiche, die wir uns nicht gewohnt sind anzusprechen und zu fördern und es lohnt sich aktiv an diesen Bereichen zu arbeiten – nicht zuletzt unserer Gesundheit, unserer „ganz normalen natürlichen“ Haltung zu liebe.

 

Ein herzliches Dankeschön an Susan, hat sie doch diesen Workshop mit ihrer fröhlichen Art, ihren verständlichen Erklärungen und mit ihrem Einfühlungsvermögen für alle zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht.

 

Bettina Hintermann

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